Ein Abendblick im Hafen nach der Auslaufparade, Hafengeburtstag 2011. Foto: fbt
Warum man Hamburg lieben muß
Stets unvollständige Notizen aus der schönsten Stadt an Alster, Elbe und Bille
Thursday, December 01, 2011 - Hamburg, überhaupt: Diese Stadt besteht die Prüfung des Alltags. Sie hält anhaltende Überraschungen bereit. Sie reizt zu fotografieren. Hamburger erweisen sich als freundlich und hilfsbereit - da beschreibt auch mal einer im Vorbeigehen den Weg in die Innenstadt. Geborene Hamburger sagen, das habe sich in den letzten Jahren sehr deutlich zum Positiven verändert. Und der Vergleich mit anderen Städten hierzulande zeigt schnell: Anderswo ist man schon mal deutlich verbissener als hier.
Erstaunlich, auffällig, entmutigend: das sichtlich öffentliche (Be-)Trinken. Nachmittags in der U-Bahn wird das Bier geköpft. Abends wankt einer vorbei und schultert den angebrochenen Flaschenkasten.
Ich laufe, fahre durch die Stadt. Mit dem Rad, mit dem Auto, dem ÖPNV (der allerdings nachts auch mal meinen Ärger erregt, weil die Wartezeiten kafkaesk werden). Ich sehe immer wieder neue Stadtteile, die sich voneinander unterscheiden, aber alle sichtbar zu Hamburg gehören. Das bunte Billstedt, Poppenbüttel mit ganz anderem Menschenschla. Die Schanze, das charmante Altona mit Ottensen. Der Hafen, eine ganz eigene Welt, die schicke Hafencity. Das Kulturangebot ist unglaublich: Ausstellungen, Konzerte, Theater. Mahler in der Laeisz-Halle, die spannenden Ausstellungen im Bucerius-Kunstforum. Die Deichtorhallen mit ihren Volksmassen-Vernissagen (wo nicht alle Ausstellungen auch halten, was sie versprechen). Kleine Galerien mit interessanten Projekten. Ein Sommerabend an der Alster ist einfach wunderbar, und es gibt gleich zwei davon. Am Alsterwanderweg herumstreifen ist superschön. Es gibt viele Gelegenheiten, viel Geld loszuwerden und noch mehr, schöne Sachen zu erleben ohne viel Aufwand. Hamburg ist eine sehr grüne Stadt, und das ist ein Genuß.
Den eng verflochtenen Geschichten dieser Stadt nachzuspüren, bleibt auch zwei Jahre nach der ersten, intensiveren Begegnung immer noch ein Ereignis.
Ein historischer Hamburger S-Bahn-Zug während der Hamburger Museumsnacht 2011 im Bahnhof Landungsbrücken. Foto: fbt
Hamburg abbilden - wo soll man anfangen? Beiläufige Alltagsgeschichten, interessante Architektur? Kirchen, Friedhöfe, Kontorhäuser? Die Hochbahn? Den reizvollen Blick aus meiner Wohnung im zehnten Stock? Alles ist spannend, interessant, immer noch neu - wiewohl es an manchen Plätzen das Gefühl, zuhause angekommen zu sein, auch schon gibt (was natürlich auch mit den Menschen zu tun hat, denen ich hier begegne).
Das Offene dieser Stadt hat, keine Frage, mit dem Hafen zu tun. Wer hier lebt, liebt ihn. Übersieht die flanierenden Touristen. Feiert mit Begeisterung den Hafengeburtstag. Genießt, wenn nicht mehr Zeit bleibt, die Vorbeifahrt mit der Hochbahn. Läuft mal von den Landungsbrücken rüber zum Michel und in die Stadt.
Der Friedhof in Ohlsdorf wird mich noch häufiger sehen. Foto: fbt
Stadtrad Hamburg: Schöne Alternative
Wenn die Herzdame mit dem Fahrrad und man selber per pedes in der Stadt ist, gibt es in Hamburg eine hübsche Möglichkeit: das Stadtrad. Flott geht es vom Chile-Haus an die Alster, fix ist das Rad wieder abgestellt. Eine hübsche Alternative zum hektischen Hinterherrennen oder dem blöden Auto. Die Fahrräder eignen sich für Kurzstrecken, nicht unbedingt für längere Touren. Die Kosten halten sich im Rahmen. Kurzer Eindruck: Auch rund zwei Jahre nach dem Start gibt es zu wenig deutliche Hinweise, wo die nächste Ausleihstation ist. Aber alles in allem passt es schon mit dem Stadtrad Hamburg.
Immer wieder sehenswert: die Hochhäuser am Berliner Tor. Foto: fbt
Natürlich kann man noch viel mehr über Hamburg sagen. Jeden Tag wieder und jede Nacht. Knapp zwei Millionen Menschen leben hier, es ist ein sehr buntes Gemisch mit vielen Sprachen und Religionen. Gegenüber vom Einkaufsmarkt feiern sie an der Moschee. Im Aufzug reden sie Polnisch, Arabisch und Russisch. Eine farbige Frau kommt mir im großen Ornat entgegen, obwohl die Sonne vom Himmel strahlt. Um die Ecke sehe ich immer wieder Männer mit streng gewickelten Turbanen. Viele Frauen hier tragen das Kopftuch. In anderen Stadtteilen ist man mehr "unter sich" - aber alles in allem scheint das Miteinander unterschiedlicher Kulturen in Hamburg ganz gut zu funktionieren. Und das finde ich angenehm.